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Beurkundungen über die Eigenbehörigen Uphoff ab 1553

Beurkundungen über die
Eigenbehörigen Uphoff ab 1553

Im Archiv der Kirchengemeinde St. Vincentius wird eine Anzahl von Urkunden verwahrt. Die älteste ist ein Kaufvertrag von 1422. Bei den Urkunden handelt es sich zu einem wesentlichen Teil um Angelegenheiten, die sich mit eigenbehörigen Höfen der Kirche befassen.

Aus dem Lehnswesen, dass sich ab dem 8 Jhd. herausbildete, in dem der König und die Reichsfürsten ihren Dienstmannen  aus   dem Kriegs- , Verwaltungs – und Hofdienst Grundbesitz als wirtschaftliche Basis übertrugen, entwickelte sich die Eigenbehörigkeit. Der Eigenbehörige erhielt damit ein vererbliches Recht, den Hof zu bewirtschaften und musste Abgaben und Leistungen an den Grundherrn entrichten,  dem darüber hinaus viele Rechte persönlicher Art gegenüber dem Eigenbehörigen zustanden. Der Eigenbehörige hatte regelmäßige „Praestationen “ oder „Pächte“ , wie es genannt wurde, zu erbringen, die wegen der jährlichen Wiederholungen „gewisse Gefälle“ genannt wurden. Dazu kamen die erheblichen Abgaben, die im „Sterbfall“ und bei „Auffahrt“ zu zahlen waren, das heißt, dass beim Tode des Eigenbehörigen und bei (Wieder-) Verheiratung teilweise hohe Abgaben fällig wurden, ebenfalls bei Freilassungen von eigenbehörigen Angehörigen. Das waren die so genannten „ungewissen Gefälle“ .

 Urkunde Uthoff 11550 Verkauf eines Erbteiles (Rente) über 2 Rheinische Goldgulden 

In unserem Gebiet gab es wenige freie Höfe. Viele gehörten zu so genannten Hofgenossenschaften, das sind mehrere eigenbehörige Höfe, die einem Haupthof unterstanden, wie zB. dem Hof Schulte zu Rüssel. Andere gehörten direkt zu einem Adelshaus, dem Fürstbischof, einem Kloster oder auch einer Kirche. Dabei dürften die Kloster- oder Kirchenbehörigen geringer belastet gewesen sein, als die Eigenbehörigen des Adels.

Neben dem Kloster, das zeitweise eine große Anzahl von eigenbehörigen Höfen hatte, teils nach Ritterrecht, d .h. die dem Kloster direkt unterstanden, teilweise über Hofgenossenschaften, hatte auch die Kirche selbst eigenbehörige Höfe.

So waren laut eines später angelegten Verzeichnisses des Pfarrers Wellmann Mitte des 18. Jhd s. folgende Höfe und Kotten eigenbehörig:

  • Colonat Uphof, Woltrup

  • Kötterei Schonen, Priggenhagen

  • Kötterei Thyes, Priggenhagen

  • Kötterei Schomaker oder Schoburg,Hastrup

  • Colonat Ratermann, Thyne,Kirchspiel Alfhausen

  1. Kötterei Dresmann, Heeke,Kirchspiel Alfhausen.

 

Der überweignde Teil der Urkunden im Pfarrarchiv betreffen den Hof Uphoff in Woltrup. Dieser wurde in derselben Zeit gekauft  wie der Hof  Ratermann, der 1459 erworben wurde.

Urkunde Uthoff 2

1567 Tausch einer Wiese zwischen Oevermann und Uphoff

 

Der Hof Uphoff Johann to den Uphuse – wird erstmalig in einer Urkunde von 1353 genannt. Seinerzeit war Uphoff dem Engelbart von Kurharn auf Gut Horst eigenbehörig. Es wurde eine Übereinkunft erzielt wegen eines Weges über die Wiese „Nordwisch“, genannt „Meppenburger Wiese“,ein Grundstück, das übrigens noch immer zum Hof Uphoff gehört.

Inzwischen war der Hof Uphoff, auch „ton Uphove“ genannt, der Familie Hemerling eigenbehörig geworden. Diese verkaufte 1458 den Hof zum Preis von 135 Rheinischen Gulden an die Kirche zu Bersenbrück. Die Urkunde sowie auch die Zustimmungserklärungen von Familienangehörigen sind im Archiv verwahrt.

Weitere Urkunden der folgenden Jahre betreffen z.B. den Erwerb weiterer Grundstücke für den Hof, insbesondere aber die Zustimmung zur Aufnahme von Darlehen. Das war für den Kreditgeber deshalb wichtig, weil der Hof nur für die Beträge haftete, die mit Zustimmung des Grundherrn aufgenommen  waren.

Die Verzeichnisse der Kirchengemeinde weisen für  Uphoff  ab etwa 1755 folgende  Verpflichtungen auf, wie es Pastor Wellmann im Lagerbuch von 1820 festhält:

„Colonus Uphoff zu Woltrup

Derselbe muß der Pfarrkirche zu Berssenbruck aufm Dienstag vor Nicolai liefern an Pächten:
Rocken: 3 Malter Ankummer Mas,
Hafer:    2 Malter Ankummer Mas,
Wachsgeld 6 Schillinge
Spanndienst leisten.

Desgleichen die ungewissen Gefälle stehen, als wegen Auffahrten, Sterbfälle und Freylassungen“. Zu den erheblichen Schulden kamen hohe Zinszahlungen hinzu.

Wie sehr der siebenjährige Krieg (1 756 bis 1763) die Menschen belastete, zeigt eine Notiz in den Büchern der Kirchen­gemeinde von 1761. Zu den Abgabefor derungen an Uphoff wird festgestellt: „Hatt die Kirche nichts empfangen und noch darneben 70 Reichsthaler für Kriegsfuhren ausbezahlen müssen“

Nach  den  Aufzeichnungen   kostete  Anfang  des 19. Jhds. ein Malter Roggen 10 Reichsthaler, ein Malter Hafer 6 Reichs­thaler. Ein  Pferd    war  rund 30 Reichsthaler wert, ein Kuh 15 Reichstha ler. Der gesamte Überschuss des Uphoff­ schen Hofes  wird Anfang  des 19. Jahr­ hunderts mit rd .30 Reichsthalern errechnet.

Urkunde Uthoff 3

1451 Pachtvertrag gegen eine jährliche  Rente

Das waren äußerst bescheidene Lebensverhältnisse, wenn man als Größenordnung  den Betrag vergleicht, den der Klosteramtmann für   seine Tätigkeit bekam, nämlich 600 Reichsthaler. Davon musste er allerdings auch sein Büro und seine Mitarbeiter unterhalten.

 183 1 wurde die Eigenbehörigkeit aufgrund eines Gesetzes aufgehoben. Allerdings mussten die Verpflichtungen abgelöst werden. Hierüber gibt es einen Hinweis im Lagerbuch von 1851, nach dem die ungewissen Gefälle, das sind die unregelmäßigen Abgaben bei Tod, Heirat oder Freilassung aus der Eigenbehörigkeit, in eine jährliche Rente von 3 Rtl. (Reichsthaler) und 4 ggr Cour. (Gute Groschen Courant ) umgewandelt wurden. Das Korngefälle, was der bisherigen regelmäßigen Pacht entsprach, wurde 1854 mit einem Ablösungskapital von 898 Rtl., 16 ggr. und 9 d. (Pfennig ) Cour.festgestellt. 

Uphoff Urkunde 41704 Leihvertrag über  100 Taler

Uphoff scheint eine große Familie gewesen zu sein. Nach dem Bankregister der Kirche von 1680 hatte Uphoff in der 12. Bank zwei Plätze gemietet, in der 16. Bank neben Gösling und Hessler 3 Plätze, sowie inder 30. Bank noch einen Platz. 

Aus dem großen Umfang an Urkunden und Unterlagen ist eine Auswahl als Kopie ausgestellt. Ferner kann der Interessierte verschiedene Abschriften einsehen, die aus Registern, Urkunden und Schriftstücken angefertigt wurden.

Uphoff Urkunde 5 

Ein weiteres Beispiel aus der Urkundensammlung – Schenkungsurkunde  Schoborg am 25. September 1794:

Pastor Docen und die Provisoren  (Kirchenvorsteher) „überlassen dem Heinrich Schoborg seinen elterlichen Kotten zum Eigentum“

 Hinweise über benutzte Texte und Autorenrechte
siehe Quellenverzeichnis!!!
Literatur:
Hans Witte: Das ehemalige Zisterzienserinnenkloster Bersenbrück, München 1992

Otto zu Hoene: Kloster Bersenbrück, 2 Bände. Osnabrück 1977/78
© 2014 Kath. Pfarramt St. Vincentius – Stiftshof 3 – 49593 Bersenbrück – Telefon: 0 54 39/93029
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