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St. Vincentius von Saragossa

1700. Todestag
des Kirchenpatrons St. Vincentius

St. Vincentius von Saragossa

Vincentius – der Heilige

Vincentius

Hl. Vincentius von Saragossa

Wenig ist über das Leben des Vincentius, des dritten Erzmärtyrers neben Stephanus und Laurentius bekannt.

Er wurde in Huesca in Spanien geboren und in jungen Jahren Diakon des Bischofs Valerius von Saragossa Während der Verfolgungen unter Kaiser Diokletian wurde er 304 verhaftet.

Als er sich weiterhin zu seinem Glauben bekannte, ließ ihn der römische Statthalter foltern, so dass er an den Marterungen starb.

Vincentius – die Legende

Vincentius entstammt einer vornehmen Familie. Vom Heiligen Bischof Valerius wurde er in den heiligen und profanen Wissenschaften unterwiesen.
Nach dem Empfang der Diakonatsweihe übernahm Vincentius all jene Tätigkeiten, die sein Bischof nicht mehr ausüben konnte, insbesondere die Predigten und die Auslegung der Bibel.

Als die große Verfolgung unter Kaiser Diokletian einsetzte, ließ der grausame Statthalter von Valencia, Dacianus, den greisen Bischof Valerius und seinen Diakon Vincentius in Ketten nach Valencia bringen.
Er forderte sie auf, den Göttern zu opfern. Der alte Bischof bekannte sich mit leiser Stimme zu Christus.
Vincentius aber sagte mit lauter Stimme: „Du, ein Priester des Todes, vermagst nur Götzen aus Stein anzubeten, wir aber beten den lebendigen Gott des Lichtes an, und bekennen damit den allein wahren und einzigen Gott und seinen Sohn Jesus Christus. “ Valerius wurde zur Verbannung verurteilt, vor der Vollstreckung erlag er jedoch den Strapazen.
Daraufhin ließ Dacianus den Diakon Vincentius grausam martern.
Als er noch immer nicht bereit war, seinem Glauben abzuschwören, legte man ihn auf einen glühenden, mit Fett  bestrichenen Rost.
Dann warf man ihn mit zerdehnten Gliedern in ein dunkles feuchtes Verlies, dessen Boden mit Scherben bedeckt war. Engel trösteten ihn und verhießen ihm die Siegespalme.
Ein himmlisches Licht erhellte den dunklen Kerker, das Marterbett wurde zu einem zarten Blumenlager, auf dem dann der Heilige starb.
Aus Wut über diesen schnellen Tod verweigerte der Statthalter die Beerdigung; der Leichnam solle Hunden und Vögeln zum Fräße dienen. Die Leiche wurde auf freiem Feld den Tieren ausgesetzt.
Ein großer Rabe, den Gott sandte, vereitelte diesen Plan; Wölfe und andere Tiere wichen zurück.
So ließ Dacianus den Toten in eine Ochsenhaut einnähen und mit einem Mühlstein beschwert ins Meer werfen.
Doch die Wogen des Meeres trugen den Heiligen wieder ans Ufer, bis er von einer frommen Witwe gefunden wurde.

Die Christen begruben ihn nahe der Fundstelle.

 Vincentius – die Geschichte

Wenn man versucht, die Legende von ihrem Rahmen zu befreien und den geschichtlichen Hintergrund einbezieht, könnte sich das Leben des Vincentius so abgespielt haben:
Das Christentum hatte im 3. Jahrhundert alle Stände im römischen Reich erfasst.
Innerhalb des Reiches gab es Schwerpunkte der christlichen Gemeinden, so auch um Saragossa.
In Huesca lebte die wohlhabende Familie, aus der Vincentius stammte.

Er war gebildet, außerordentlich beredt und vom Eifer für Christus erfasst.

Es zog ihn ins 70 km entfernte Saragossa, wo Bischof Valerius, der im Ruf der Heiligkeit stand, junge Männer und Frauen für den Dienst in der Kirche heranbildete.

Er erhielt in religiösen, aber auch in weltlichen Wissenschaften eine umfangreiche Bildung.
Der alte und gebrechliche Bischof, der nur mühsam sprechen konnte, brauchte Hilfe; er wählte Vincentius zu seinem Diakon.
Unter Kaiser Diokletian hatte um das Jahr 300 die Verfolgung der Christen wieder eingesetzt, wenn es auch zuerst die Personen im Staatsdienst und die Soldaten traf.
Valerius kannte die Angst und die Nöte der Betroffenen, insbesondere wenn sie Familie hatten.
Trotz der eindringlichen Hinweise des Valerius auf das große Risiko, nahm Vincentius seine Berufung sehr ernst. Vincentius lehrte und unterrichtete, tröstete und half, vor allem aber predigte er.
Wie kein anderer konnte er die Bibel erklären und auslegen.
Als die Bemühungen des Kaisers, das Christentum einzudämmen, erfolglos blieben, ordnete Diokletian im Jahre 303 eine radikale Christenverfolgung an.
Gotteshäuser sollten zerstört und das christliche Schrifttum vernichtet werden.

Wer sich weigerte, beim vorgeschriebenen Ritual für den Gottkaiser mitzumachen, sollte mit dem Tode bestraft werden. Nicht überall im Reich wurde dieses Edikt ernsthaft umgesetzt, insbesondere nicht im Westen, wo der tolerante Mitkaiser Constantius regierte.
So wollte auch der Statthalter in Valencia, Gratianus, der christlichen Kirche lediglich ihre einflussreichen Leiter nehmen und hoffte, dass das System dann zerbrechen würde.
Gratianus ließ den Bischof von Saragossa und seinen Diakon Vincentius verhaften, nach Valencia bringen und dort einkerkern. Valerius, schon todkrank, sollte in die Verbannung geschickt werden, er starb jedoch im Gefängnis. Gratianus glaubte, dass der junge Vincentius Folterungen nicht lange stand halten und seinem Glauben abschwören würde, mit entsprechender Auswirkung auf die christlichen Gemeinden.

Vincentius aber überwand seine Angst und die Qualen.
Mit schweren Wunden durch Marter und Glut wurde er in den Kerker geworfen.
In Schmerzen und von Fieber geschüttelt rief der tödlich Verletzte seinen Gott an.
Nicht lange hielt der Körper des Geschundenen die Qualen aus, er starb im dunklen Verlies.
Der Statthalter erkannte, dass der tote Vincentius den Widerstand der Christen nur verstärken konnte.
Auf keinen Fall durften die sterblichen Überreste des Heiligen in die Hände seiner Anhänger kommen.
So wurde der tote Körper vor die Stadt gebracht, damit Vögel, Wölfe und Füchse von dem Leichnam nichts übrig ließen.
Bei den Christen jedoch war der Tod bekannt geworden.
Man fand den Körper, Raben saßen rundherum und verteidigten ihre Beute
gegenüber den anderen Tieren. Die Soldaten des Statthalters kamen gerade noch rechtzeitig, um ein Begräbnis des Märtyrers zu verhindern. Der Leichnam sollte ins Meer versenkt werden.

Es war ein stürmischer und kalter Tag am Ende des Januars 304. Der Wind kam von Osten, von der Seeseite.
Aus Sicherheitsgründen fügten sie dem Sack ,in dem der Leichnam eingenäht war, nur wenige Steine bei. Sie entledigten sich ihres Auftrages, indem sie noch in Ufernähe die Leiche über Bord warfen.

Als die Soldaten weg waren, suchten die Christen den Strand ab.

Eine Frau fand den toten Vincentius. Nur im kleinen Kreis von Eingeweihten wurde Vincentius begraben.
Vincentius – der Verehrte Im Jahre 312 wurde das Heer des Kaisers Maxentius von Konstantin vor den Toren Roms geschlagen.
Das Christentum wurde anerkannt. Nun wurde auch das Schicksal des Diakons Vincentius aus Saragossa überall im Land bekannt.
Schnell verbreitete sich die Verehrung im Bereich von Valencia und Saragossa und mit der Ausweitung des Christentums auf der ganzen iberischen Halbinsel. Um die Person des Heiligen rankten sich bald Geschichten:
Die einfachen Menschen, die selbst nicht lesen konnten, brauchten Bilder, die sie verstanden.
Vincentius, der mit Gottes Hilfe der Willkür der Behörden widerstand; Engel, die in der Not und im Leiden beistanden; ein Heiliger, der die Elemente Luft, Erde, Feuer und Wasser überwunden hatte, das verstanden die Menschen. In der Kirche ist der Kult des Vincentius sehr alt.
Er gehört zu den wenigen Heiligen, die im Kalendarium des Polemius Silvius und in dem von Karthago verzeichnet sind. Augustinus, der im selben Jahrhundert lebte, widmete ihm mehrere Predigten.
Als die Reliquienverehrung im hohen Mittelalter die ganze Christenheit erfasste, war Vincentius besonders beliebt.

Der Bischof von Saragossa schenkte 531 die Tunica des Heiligen König Childebert l von Frankreich, die dort eine große Verehrung auslöste; heute wird sie in Chalonsur-Soane verwahrt. 804 kam der Leichnam von Valencia über Saragossa nach Castres in Frankreich.
Ein Teil der Gebeine wurden 1160 nach Lissabon übertragen; u.a. werden Reliquien in Le Mans verwahrt.
Dargestellt wird er mit verschiedenen Attributen, die sich auf sein Leben, seinen Tod aber auch auf seinen Namen und sein Patronat beziehen: Im Diakonsgewand, mit Bibel, Rost, Raben, Palme, Mühlstein, Rebe, Holzknechthacke.
Er ist Patron der Ziegelbrenner, Töpfer, Dachdecker, Winzer (wohl wegen seines Namens Vincent), der Seeleute und Holzfäller sowie der Schüler und Weber, des Federviehs, der Kaffeehäuser, er wird angerufen bei Körperschwäche und Darmkrankheiten, in Gefahren auf dem Meer, für die Wiedererlangung verlorener und geraubter Sachen. Wegen seines Festes mitten im Winter ist er beliebter Wetterprophet: „Geht Vinzenz im Schnee, gibt’s viel Heu und Klee!“ oder
„Vinzenz Sonnenschein bringt viel Korn und Wein, bringt er aber Wasserflut, ist’s für beides nicht gut!“

Texte aus der Festschrift der Katholischen Kirchengemeinde
St. Vincentius Bersenbrück © 2003Vincentius

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