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Klausen und Kreuze

Zusammengestellt von
© Hermann Heidker und © Franz Buitmann
Die Leo-Kapelle im Bereich der Küsterei/Hasestraße

Leo Kapelle

1900 entstand nach vielerlei Vorarbeiten auf dem Gelände der Bersenbrücker Küsterei an der Ha­sestraße die „Leo-Kapelle“. Diese Klause wurde zur Erinnerung an Papst Leo XIII. errichtet, der 1887 mit Bismarck zu einer Verständigung gelangt war, die den Ausklang des Kulturkampfes ein­leitete und die Beziehung zwischen Kirche und Staat wieder normalisierte.

Die Freude darüber war groß in Stadt und Land. Der Gedanke Leo XIII., dem Versöhnlichen, ein Denkmal zu setzen, fand schon im Jahre 1888 in der Gemeinde Ausdruck, als von Lehrer Reinken und im Winter durch den Kirchenvorstand eine Sammlung zu diesem Zwecke vorgenommen wur­de, die die Summe von 780 Mark erbrachte. Weitere Spenden und Kollekten ergaben bald ein Ge­samtkapital von 1115,47 Mark. So konnte dann der Bau in Auftrag gegeben werden, als dessen ei­gentlicher Initiator, neben Vikar Minkenberg, Lehrer Reinken zu gelten hat.

Die Handwerkerschaft Bersenbrücks, unter ihnen Maurermeister W. Schulte, der Zimmermeister Ernst Kreke, die Schmiedemeister H. Jakobs und Stricker sowie der Maler A. Meyer, erstellten den Bau. Busch und Jöring fuhren das Material heran. Die ganze Gemeinde aber nahm regen An­teil an diesem guten Werk. Als sich herausstellte, daß die vorhandene Summe Geldes nicht aus­reichen würde, unterzeichneten am 18. August 1889 F. Kreke, H. Busch, D. Husmann, A. Wedemey­er, H. Kreke, G. Husmann, Reinken und Gösling eine solidarische Bürgschaft, womit sie Lehrer Reinken bevollmächtigten, das noch erforderliche Geld bei der Vereinssparkasse anzuleihen. Es handelte sich um 400 Mark, die am 12. Oktober 1889 geliehen und am 2. Juli 1892 zurückgezahlt wurden.

Die Klause selbst wurde im Sommer durch den neuen Pfarrer Strickmann eingeweiht. Von 1881 bis 1890 hatte Bersenbrück keinen Pfarrer, sondern nur einen Pfarrverweser gehabt. Es war die Zeit des Kulturkampfes. So war die Freude doppelt groß. In der Kapelle wurde ein Kruzifix aufge­hängt. Einige Jahre später beauftragte man den Bildhauer Seling mit der Anfertigung einer Leo- Statue. Am 29. November 1896 gestattete dann der Bischof von Osnabrück die Aufstellung der Statue in der Kapelle. Die gesamten Ausgaben für die Klause hatten 1387,98 Mark betragen. Früher war die Leo-Kapelle vierter Stationsaltar während der Fronleichnamsprozessionen. Die Leo-Kapelle wurde im Zuge des Ausbaus der „Kuhstraße“ zur Bundesstraße im Jahre 1970 abge­brochen.

 

Die Kapelle auf dem Hof zu Hoene in Hastrup

In vielen Teilen der Pfarrei errichteten fromme Hände Klausen, die man hierzulande gern Kapellen nennt. Die älteste von ihnen steht auf dem Hofe zu Hoene in Hastrup. Sie wurde zwar erst 1889 vollendet und weist den Wahlspruch des Hofes auf „Ora et Labora“, ist aber historisch die be­deutsamste. An dieser Stelle, so wird überliefert, trafen sich schon vor der Einführung des Chri­stentums alljährlich einmal unsere Vorfahren aus dem Gehrder und dem Bersenbrücker Raum, um ihren Gottheiten ein Fest zu feiern. Zugleich wurde Gericht gehalten. Als mit Karl dem Großen unsere sächsischen Ahnen sich endlich zum Christentum bekehrten, wurde hier ein Kreuz aufge­stellt, und man versammelte sich hier auch weiterhin. Später wurden zuerst in Bersenbrück, dann in Gehrde Kirchen gebaut. Aber diese so alte Kult- und Thingstätte geriet keineswegs in Verges­senheit. Vielmehr zog man nun von beiden Kirchen in einer Prozession hierher, wo ein übers ande­re Jahr der Gehrder und der Bersenbrücker Pastor die Predigt hielten. Nach der Reformationszeit kamen nur noch Bersenbrücker, und sie taten es am Dienstag vor Christi Himmelfahrt, um in ei­ner Bittprozession Gottes Segen auf die Früchte des Feldes herabzuflehen. Diese Bittprozessio­nen zur Klause auf dem Hofe zu Hoene trägt den uralten Namen „Halle“, der auf ein altgermani­sches Heiligtum hinweist. Das Kreuz hängt seit 1889 in der Kapelle. Man will indes sogar das in der Kirche zu Gehrde befindliche berühmte Ast-Kreuz aus dem 13. Jahrhundert mit dieser Feier­stätte in Zusammenhang bringen. So spricht man bis heute noch bisweilen von dem „Wallfahrts­ort“ Hoene. Die Bauerschaft Hoene rechts der Hase, vor über 100 Jahren erst mit Hastrup als „Hastrup“ zusammengelegt, gehörte politisth immer zur Vogtei Gehrde und zum Artlande, kirch­lich aber nach Bersenbrück.

 

Die Klause in Priggenhagen bei Lohmann

Die Klause in Priggenhagen bei Lohmann stammt auch aus der Amtszeit von Pastor Strickmann (1890 bis 1897). Sie wurde von Kief in Priggenhagen erbaut. Es ist hier keine Inschrift vorhanden, und den Raum der Kapelle ziert ein Kreuz. Die tieferen Gründe ihrer Entstehung ergaben sich aus einem fast einmaligen Schicksalsgeschehen. Es hatte sich der Bauer Rauf aus Woltrup ent­schlossen, doch noch eine 3. Ehe einzugehen. Die Hochzeit mit Fräulein Kief war festgesetzt. Am frühen Morgen nach dem „Polterabend“ fuhr er noch einmal ins Dorf und stieg bei der Wirtschaft Thieß ab. Seine Braut mußte den ganzen Tag vergeblich warten, denn man mußte noch zum Stan­desamt. Die Fäden des Schicksals begannen nun ein nur ihnen eigenes Spiel: Der Bauer entsagte dem Verlöbnis und versprach der Wwe. Thieß die Ehe. Dem Fräulein Kief aber zahlte er eine er­hebliche Abfindung. Sie erhielt eine so hohe Summe Geldes, daß sie in ihrer ehrlichfrommen Überzeugung diese ihr kaum zustehend erachtete. Als sie die Abfindung dann doch annahm, ent­schloß sie sich aus Dankbarkeit für ein solch unerhörtes Geschenk zu einem Opfer und ließ die Kapelle in Priggenhagen bauen. Zu ihr führte alljährlich am Montag nach Christi Himmelfahrt je­ne Bittprozession, die am Kreuze bei Wedemeyer ihre zweite Station machte.

 

Die Sandbrink-Klause in Bersenbrück-Hastrup

 

 

 

 

 

 

 

 

Infolge der Verlegung eines Weges stand sie früher in einer Viehweide.

Es war deshalb notwen­dig, sie an anderer Stelle aufzustellen.

Man holte hierzu den Rat des Landeskonservators Dr. Pop­pe, Osnabrück, ein. Die Klause erhielt ihren Platz in der Nähe des Hauses an einer Wegekreuzung, aber nicht parallel zur Straße, sondern in der Diagonale.

Ihre Proportionen wurden viel schöner als bisher. Statt des Ziegelsteinbaues sieht man jetzt weiß­getünchte Wände, die sich wirkungsvoll vom Grün der Umgebung und dem Tannenhintergrund abheben. Das Gesamtbild wird noch anziehender, wenn die bunte Pracht der Blumen leuchtet. Das Dach ist auch nicht mit Ziegeln gedeckt, sondern besteht aus Stroh, der First aus Erdplag­gen. Durch eine schmiedeeiserne Pforte, die Schmiedemeister Stolle schuf, sieht man auf das Kreuz in der Klause. Es machte bisher wenig Eindruck. Als man die im Laufe der Zeit aufgelager­ten Schichten abweichte, stellte sich zur großen Verwunderung heraus, daß es sich um ein Mei­sterwerk der Schnitzkunst handelt — ein ergreifender Gesichtsausdruck des Heilands, jeder Fin­ger mit besonderer Sorgfalt ausgearbeitet.

Die eiserne Inschrift an der Außenseite der Klause gibt Aufklärung über ihre Entstehung. „Als beim Nachbarn das Feuer getobt, hat Jürgen Sandbrink dem Herrgott gelobt, wenn Rettung wür­de seinem Hause, als Dank zu bauen diese Klause. 8. 12. 1890″. (Gemeint ist hier ein großer Brand, der auf dem Nachbarhof Franz Sandbrinks ausgebrochen war.) Eine andere steinerne In­schrift verrät: „Gebaut 1891 von Hofbesitzer Jürgen Sandbrink und dessen Ehefrau Maria, geb. Meyer zu Holle, Osterkappeln. Erneuert 1955 von Hofbesitzer Johann Sandbrink und dessen Frau Maria, geb. Rohde“.

 

Kreuze

Kreuz auf dem Hof Wedemeyer am Brink

 

Das Kruzifix auf dem Hofe Wedemeyer in Priggenhagen erinnert uns an jene Zeit, als vor Jahrhunderten dieser Hof noch die Dota­tion, das Wedum oder der Wemhof, und die Wohnstätte des Pastors an der Bersen­brücker Kirche waren. Aber der Hof war schon 1243 dem Kloster eigenhörig gewor­den. Damit hatte das Kloster die Unterhalts­pflicht des Geistlichen übernommen und ihm die Residenz auf dem eigentlichen Kloster­hofraum angewiesen, wo ihm daselbst ein Haus errichtet wurde. Zu dem Wedemeyer­schen Kreuz, das keine Inschrift trägt, führte früher die Bittprozession am Montag vor Chri­sti Himmelfahrt.

Das Kreuz und die Anlagen wurden vor eini­gen Jahren erneuert.

Nachfolgend eine Galerie verschiedener Kreuze aus der Umgebung von Bersenbrück

Zur Ansicht der nachfolgenden Bildergalerien verwenden Sie bitte den Chrome Browser von Google, falls Sie hier keine Galerie sehen. 

Steinernes Kreuz auf dem alten kath. Fried­hof vor der Pfarrkirche — 1961 wurde dieser Friedhof zu einer Rasenfläche mit Anlagen umgestaltet.

 

 

 

 

 

 

 

 

Kreuz am Brink, Oderstraße — früher: Hof Take

Kreuz-Take-Oderstraß

 

 

 

 

 

 

 

Zu diesem Kreuz führten in früheren Jahren ebenfalls Bittprozessionen.

Anmerkung: Die Erläuterungen zum Kapitel „Klausen und Kreuze“ wurden mit einigen Änderungen dem Zeitungsartikel „Wegkreuze und Klausen in der Pfarre Bersenbrück“

von Dr. 0tto zu Hoene entnommen (v. 17. 4. 1965).

Die Zusammenstellung erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit.

Bildquelle: Reinhard Rehkamp

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