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Ein Blick zurück in die Geschichte des Klosters und der Pfarre zu Bersenbrück

© von Maria Haskamp

Aus der Zeit des 30jährigen Krieges

Der Confessarius (Beichtvater) Pater Severinus Raeckmann hat die sogenann­te Raeckmann Chronik hinterlassen, in der er bemerkenswerte Ereignisse aus den Jahren von 1609 bis 1639 aufgezeichnet hat. Die Zeit des 30jährigen Krieges (1618 – 1648) brachte über das Kloster und sei­ne Bewohner viel Unheil. Wenn auch in unserer Gegend keine Schlachten stattgefunden haben, so hat das Kloster dennoch schwere Schreckenszeiten durchmachen müssen. Immer wieder ziehen Truppen durch die Gegend und fordern vom Kloster Verpflegung, Quartiere, Pferde und Geld. Mehrere Male fliehen die Nonnen vor den randalierenden Landsknechten.

Im Jahre 1626 bleiben sie mehrere Wochen in der Stadt Osnabrück, während die Äbtissin mit einer anderen Nonne und Pater Raeckmann Schutz auf der Mep­penburg bei Heeke sucht; die letzteren kehren aber schon vier Tage später nach Bersenbrück zurück. Zu Pfingsten 1637 verlassen die Nonnen ein zweites Mal das Kloster und flie­hen vor der hessisch-schwedischen Armee zur Harenburg in Bieste und zur Horst in Heeke. Bei ihrer Rückkehr am 24. Juni 1637 finden sie das Kloster gänzlich ausgeplündert vor „also alles am Closter vordorben und mitgenoh­men“. Verschenkung des Klosters Der schwedische Reichskanzler Axel Graf Oxenstierna, der seit dem Tode des Königs Gustav Adolf die Schweden führt, verschenkt das Kloster mit allem Zubehör 1634 an den Grafen Baudissin. Die Nonnen können im Kloster blei­ben, haben aber als Gegenleistung neben den gewöhnlichen Abgaben 2400 Taler an den Grafen von Baudissin zu zahlen. Nachdem der Graf 1636 von den Schweden zu den Sachsen übergewechselt ist, wird das Kloster den Erben des Feldmarschalls von Kniphausen überlas­sen. Auch jetzt werden die Nonnen nicht aus dem Kloster vertrieben. Im Jahre 1647 wird das Kloster wieder frei nach Zahlung einer Abfindungssumme in Höhe von 1000 Reichstalern an Frau von Lüdinghausen-Wulff geb. v. Kniphau­sen. Das weltliche Stift Bersenbrück Bei der Auflösung des Klosters zu Bersenbrück hatte die Aufhebungskommis­sion dem Kurfürsten Maximilian Franz, dem Erzbischof von Köln, einen Ver­teilungsplan der Klostergüter vorgelegt, der von diesem am 23. August 1787 genehmigt wurde. Nach diesem Plan sollte ein Teil der Klostereinkünfte für die Errichtung eines weltlichen Stiftes für katholische Witwen und Töchter bürgerlichen Standes aus der Klasse der Gelehrten verwendet werden.

Im Jahre 1791 wird dieses Stift gegründet mit zunächst 7 Stiftsdamen, deren Zahl sich 1829 auf 12 erhöht. Im selben Jahre entfallen die Bestimmungen be­züglich des Standes und der Konfession der Stiftsdamen, so daß fortan auch Damen aus Adelskreisen und Damen, die protestantisch sind, eine Stelle als Stiftsfräulein erhalten können. Da die Stiftsdamen des weltlichen Stiftes Ber­senbrück zu keiner Zeit einer Residenzpflicht nachzukommen hatten, wissen nur wenige Einheimische, daß dieses Stift existiert. — Im Jahre 1964 hat die Klosterkammer zu Hannover das Stift Bersenbrück, das Stift Wunstorf und das St. Georgsstift zu Hildesheim vereint und insgesamt 20 Stiftstellen beste­hen lassen. Jede Stiftsdame erhält monatlich eine bestimmte Summe Geldes aus dem Fond der Klosterkammer.

Mißbräuche bei Prozessionen
Der Mensch des ausgehenden Mittelalters liebte es, Prozessionen zu veran­stalten und an Wallfahrten teilzunehmen. Häufig kam es dabei zu Mißbräu­chen, hervorgerufen durch Aberglauben, durch tiefverwurzelte halbheidni­sche Vorstellungen von der Wirksamkeit heiliger Zeichen und Amulette. Generalvikar Lucenius schreibt in einem Protokoll vom 15. 5. 1625 folgendes: „In Bersenbrück und anderen Ortschaften wird an den Bittagen bei der Pro­zession ein Bild der Gottesmutter durch die einzelnen Häuser mit einer Kir­chenfahne getragen. Eine Frau trägt dabei das Muttergottesbild und ein Mann die Fahne voraus; so gehen sie um den Herd und legen dann das Ma­rienbild auf das Ehebett und das Kreuz oder die Fahne auf den Tisch. Seit vie­len Jahren besteht dieser Aberglaube. Die Leute glauben jetzt, daß dann dies Jahr glücklich, das Ehebett friedlich und ohne Zank und Streit sein werden. Das aber ist überall von mir verboten worden; doch wird es notwendig sein, daß dies in den kommenden Jahren auch schriftlich geschieht“ (nach Twel­bek bei Otto zu Hoene „Kloster Bersenbrück“). Auch aus Bersenbrück erfahren wir von solchen unchristlichen Auswüchsen bei den Prozessionen, die an den Bittagen vor Christi Himmelfahrt stattfan­den. Dieses Verbot scheint wenig Beachtung gefunden zu haben; denn im Jahre 1776, also über 150 Jahre später, sieht sich das Generalvikariat zu Osnabrück genötigt, wiederum gegen Mißbräuche bei den Prozessionen vorzugehen. Über Unglücksfälle, die sich in der Pfarre zu Bersenbrück ereignet haben Im Laufe der langen Geschichte von Kloster und Pfarre zu Bersenbrück ereig­neten sich manche Katastrophen, über die uns Nachricht vorliegt.

Pastor Wellmann hat in seinem Kompendium einige aufgezeichnet: „Der Blitz schlägt das Fräulein. tot“. Vor ungefähr 70 Jahren hat sich bei einem damals hier vorüberziehenden Gewitter ein höchst trauriger Zufall ereignet. Zwei Klosterfräuleinen, als das Fräulein von Bisenroth und das andere von Piccard, oder jetzt genannt Morsey, hatten sich vor dem Chor vor dem daselbst stehenden Altar knieend um Bewahrung vor allem Unheil im Gebet zu Gott gewandt. Ein Blitzstrahl fährt aus der Spitze des kleinen Thurms herunter, zerschmettert den dortigen Ta­bernakel, verschüttet die heiligen Hostien und schlägt das Fräulein von Mor­sey tot zu Boden nieder. Das Fräulein von Bisenroth wird ebenfalls wie tot vom Chor getragen, erholt sich indes eine geraume Zeit darnach wieder“.

Dieses schreckliche Ereignis geschah am 11. August 1749. Eine andere Auf­zeichnung berichtet von dem „traurigen Los des ersten Amtsschreibers Sar­ninghausen“, der seine Arbeit in Bersenbrück 1803 antrat. „Den 6. Februar 1907 war für den Gottlieb Sarninghausen der allerunglück­lichste Tag seines Lebens. Bei Gelegenheit des Fischens bei der sogenann­ten Schweinbrücke, an dem Gomarsche gelegen, will er bei einer sehr hoch­stehenden Flut von dort quer über den Strom nach der Hemke mit seinem Fi­scherkahn setzen. Mitten auf dem Strome des Flusses der Hase wird der Kahn mit allen darin befindlichen Mannschaften, als dem Herrn Amtschrei­ber, dessen Bedienten Karl Heithaus, Herm Kreke Düsing im heftigen Fluge nach dem Flutbogen hingeworfen, einige davon ergreifen glücklich die daran- liegenden Querbalken, andere ergreifen die Ketten und Posten und retten ihr Leben mit genauer Not. Der Amtschreiber ergreift die beiden Hände seines g’etreuen Bedienten, der, auf dem anderen Querbalken hangend, seinen Herrn dem Strom zu entreißen sucht. Allein endlich wird das Gewicht zu schwer und der Herr Amtschreiber zu kraftlos, um sich noch halten zu können. Seine mit ledernen Handschuhen versehenen Hände entglischten der angestrengten Festhaltung seines treuen Bedienten, der Strom reißt ihn durch die Schütte in die Tiefe des Wassers hin. Nach etlichen Augenblicken ist sein Körper ver­schwunden; nur erst den 2. Mai des nämlichen Jahres wird derselbe ohnweit von des Colon Kreken Behausung entdeckt und sodann seiner ersten Frau beigesetzt“.

Abschließend sei noch ein Brand erwähnt, der am 12. März 1812 das Schul­haus in Bersenbrück einäscherte. Hören wir kurz, was Pastor Wellmann dar­über schreibt: „Das hiesige Schulhaus brannte den 12. März des Nachmittags um 3 Uhr (wo­her der Brand entstanden war, weiß man nicht) gänzlich ab. Da die Flamme gerade oben der Schule im Schulhaus ausbrach, so konnte die Jugend mit großer Mühe durch die Fenster und Türen gerettet werden“.

Neben Unglücksfällen, die durch Naturgewalten hervorgerufen wurden, erfah­ren wir von Seuchen, denen viele Menschen zum Opfer fielen.

Im Jahre 1831 brach die Cholera aus. Zu dieser Zeit lag die Schulaufsicht in Händen der Kirche; deshalb finden wir im Pfarrarchiv ein Schreiben der „Kö­niglich Großbrittannische Hannöverschen zum Katholischen Consistorio ver­ordneten Räthe“ an den Pfarrer der Gemeinde, in dem diesem Verhaltens­maßregeln beim Ausbruch der Cholera mitgeteilt werden.
Der Schulunterricht solle seinen ungehinderten Fortgang nehmen, jedoch unter folgenden Vor­sichtsmaßnahmen: daß

1. nach beendigten Schulstunden durch Öffnen der Fenster und Räu­chern mit Essig die Luft in der Schulstube erneuert und gereinigt werde,

2. wenn die Schulstuben eng und überfüllt sind, nicht die ganze Schuljugend, sondern stets nur ein theil derselben abwechselnd zum Schulunterricht in der Schule versammelt werde und

3. niemand aus einer solchen Wohnung, worin ein Cholera Kranker sich befin­det, die Schule besuche“. Es hat sicher auch viel Freude und Frohsinn gegeben in der langen Geschich­te Bersenbrücks. Nur ist es leider so, daß der Mensch eher geneigt ist, das Leidvolle, Erschreckende festzuhalten als die frohen Ereignisse. Vereine und Verbände in früherer Zeit Verbände und kirchliche Vereinigungen geben Einblicke in die Gedankenwelt, die Sorgen und Anliegen der sie tragenden Gruppen. Deshalb ist es sicher in­teressant, über kirchliche Organisationen unserer Vorfahren einiges zu erfah­ren. Der Christ des Mittelalters schloß sich gerne zu Bruderschaften zusammen, um in der Gemeinschaft der Mitchristen Werke christlicher Frömmigkeit oder Nächstenliebe zu üben und den Gottesdienst zu fördern. In unserer Gemeinde erfahren wir 1761 von der Gründung einer „Bruderschaft der Gesellschaft von Jesus, Maria, Joseph“, der über 140 Personen angehör­ten. Die Mitglieder trafen sich zu gemeinsamer Meßfeier und verrichteten be­stimmte Gebete, mit denen Ablässe verbunden waren. Etwa 100 Jahre später wurde diese Bruderschaft aufgelöst, und an ihre Stelle trat 1863 die „Bruderschaft zu Ehren der Todesangst unseres am Kreuze lei­denden und sterbenden Heilands und seiner schmerzhaften Mutter unter dem Kreuze zur Erlangung einer seligen Sterbestunde“. Bis in unser Jahrhundert hinein wurden monatlich diese „Todesangstbruderschaft“ Andachten gehal­ten. Ging es in der Bruderschaft um die Erlangung einer seligen Sterbestunde, so befaßte sich der 1840 ins Leben gerufene „Enthaltsamkeitsverein“ mit einem recht diesseitigen Problem, dem des übermäßigen Branntweingenusses. In einem feierlichen Versprechen gelobten die Vereinsmitglieder, dem „Branntwein in allen Arten gebrannter Getränke gänzlich zu entsagen“ und auch den Untergebenen das Trinken von Branntwein nicht zu gestatten. Bis zum Jahre 1858 sind Mitgliederlisten vorhanden; hinter mehreren Namen steht der Vermerk „Austritt“, hinter einigen lesen wir „Ausschluß“! Ein vielstrophiges Lied zur Stiftungsfeier ist überliefert worden. Es wurde nach Melodien bekannter Kirchenlieder gesungen:

O Gott, es drohte uns Gefahr!

Sie wuchs und stieg mit jedem Jahr! Man trank-gar bis zur Völlerei- ein Gift, als ob es heilsam sei! Man kam in Narrheit, oft in Wuth­Gar wieder eignes Fleisch und Blut! Es mehrte sich der Armut Noth, Der Krankheit Weh und früher Tod! Und jede böse Leidenschaft Fand in dem Tranke Muth und Kraft! Die Tugend war beinah verbannt! Das Laster nahm die Oberhand! So trieb ein blinder Sklavenzwang Die Menschheit fort zum Untergang! Zur Rettung und zur Wiederkehr War weder Rath noch Hoffnung mehr! Es mögen noch die Schlußstrophen folgen: Auch hilf, daß die noch ferne stehn, Mit uns nun die Gefahr auch sehn! Hilf ihnen schnell sich auch befrei’n Und mit.uns Andern nützlich sein! Und wer sogar aus bösem Sinn, Aus Trunksucht oder aus Gewinn Dem Rettungsbunde widersteht, Den rühre, daß er in sich geht! Wem drängen sich nicht Parallelen zu unserer Zeit auf beim Lesen dieser Zei­len! Nur hat unsere Generation zu dem Alkoholproblem das immer größer werdende Drogenproblem zu lösen. Als sehr rühriger Verein erscheint der Vincentius-Verein in Bersenbrück unter seinem Vorsitzenden, dem Herrn Vikar Minkenberg. Verschönerung der Kir­che und Anschaffung von Paramenten sind die Aufgaben, die sich der Verein am Gründungstag, dem 1. 1. 1870, stellt. Ein halber Groschen ist die monatli­che Minimalspende, im Durchschnitt wird ein Groschen im Monat gezahlt. Durch diese Beiträge können Malerarbeiten in der Kirche ausgeführt, Meßge­wänder und ein Altarteppich gekauft werden. Ein anderer Verein befaßte sich im vorigen Jahrhundert mit der Förderung der Obstbaumzucht im Amte Bersenbrück. Der Pfarrer von Bersenbrück war der erste Vorsitzende. Man wollte durch Anpflanzungen von Obstbäumen die We­ge verschönern und gleichzeitig den Armen helfen; denn die Ernteerträge wollte man den Notleidenden zukommen lassen. Durch die Initiative dieses Vereins sind um 1840 240 Obstbäume gepflanzt worden. Auf den ersten Blick mag dieser Verein zunächst Verwunderung hervorrufen. Die Sorge für die Armen war jedoch immer eine christliche Aufgabe. — Wie groß die wirt­schaftliche Not in vielen Familien gewesen ist, bezeugen die Auswandererli­sten, die seit dem Jahre 1833 geführt worden sind. Häufig sind es junge Men­schen, die die Pfarrgemeinde verlassen und in Amerika eine bessere Zukunft erhoffen. Es wandern aber auch ganze Familien aus. Am 14. April 1845 verläßt z.B. ein Ehepaar mit 6 Töchtern, 2 Söhnen, 2 Schwiegersöhnen, einer Schwie­gertochter und drei Enkelkindern eine Heuerstelle in Hastrup, um sich jen­seits des „Großen Teiches“ eine neue Existenz aufzubauen.

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