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Pfarrer J . F. W. Minkenberg 1840 – 1907

Im Rahmen eines Seminarfaches mit dem Thema „Regionales Forschen“ hat sich Melanie Rehkamp u.a. mit der Geschichte der Kolpingsfamilie Bersenbrück auseinandergesetzt. Bei ihren Recherchen hat sie Interessantes über den ersten Präses unserer Kolpingsfamilie erfahren, die nachfolgend wiedergegeben werden.


 

Die Persönlichkeit Pfarrer J . F. W. Minkenberg 1840 – 1907
Ein Leben für Gott und die Menschen

 Ein Persönlichkeitsbild zu Pfarrer Johann Friedrich Wilhelm Minkenberg

Zuerst als Vikar, später als Pfarrer war Johann Minkenberg in  Bersenbrück und Voltlage tätig. Zahlreiche Dokumente über sein Handeln und Streben überliefern das Bild eines motivierten, selbstbewussten Mannes. Engagiert versuchte er in seinen Gemeinden die Kirchen zu erhalten und zu verschö­nern. Aber was  war  Johann Minkenberg eigentlich für  ein Mensch? Weiche Ziele verfolgte er durch sein Handeln? Und vor allen Dingen, warum setzte er sich immer wieder unermüdlich für die Menschen ein?

 

Um diese Fragen zu beantworten, soll als Erstes versucht werden, die Herkunft und die Verhältnisse sei ner Familie aufzudecken.

Die Familie Minkenberg ist in Ohrte bei Berge sesshaft gewesen, wo Jo hann Friedrich Wilhelm Minkenberg von Hanenberg am 24. Mai 1840 als Sohn  von  Johann  Heinrich Minkenberg und Anna Grete Brans geboren wurde. Es ist bekannt, . dass sein Vater Sensenschmied war; seine Schwester war mit dem Hofbesitzer Abing zu Limbergen verheiratet. ,,Die Tochter aus der Ehe seiner Schwester heiratete nach Voltlage“. Ob sein Vermögen durch den Hofbesitzer Abing zu Limbergen kam oder doch durch seine Familie, ist nicht bekannt. In  seinem   Testament,   ungefähr  ein halbes Jahr vor seinem Tod verfasst, vermachte er den größten Teil seines Besitzes seiner Nichte Agnes Knuf. Am 4. August 1907 wurde er leblos vor seinem Bett im Alter von 67 Jah­ren gefunden.

 

Wie verstand Johann Minkenberg die Ausübung seines Berufes?

Johann linkenberg  wurde  am  27. März 1869 in Osnabrück zum Priester geweiht. Vier Jahre zuvor hat er die Hochschulreife  1865 in Meppen erhallten. Das späte Studium der Theologie deutet darauf hin, dass er den Beruf „Pfarrer“ mit Ernst, Würde und Respekt erfüllen wollte. Vielleicht emp­fand er diese Berufung als Aufgabe und Versuch, die Welt ein kleines bisschen besser zu machen, was er möglicherweise in seinem zuerst erlernten Beruf nicht erfahren konnte. Dieses Selbstverständnis wird im Folgenden nochmals deutlich.

Zunächst war Johann Minkenberg 1869 als Aushilfe in Quakenbrück im Einsatz, woraufhin er im selben Jahr noch als Vikar nach Bersenbrück versetzt worden war. Dort blieb er bis 1890. In diesem Jahr wurde er nach Voltlage versetzt. Da nun Minkenberg Pfarrer in Voltlage war, war ihm somit eine bestimmte Macht gegenüber der Gemeinde und dem Kirchenvorstand übergeben. Er trug die Verantwortung darüber, dass zum einen die seelsorge­rischen Bedürfnisse in der Gemeinde erfüllt wurden, zum anderen dass die Organisation und die Verwaltung funktionierten.

Während seiner Vikarszeit in Bersenbrück wurden ihm bestimmte Aufgaben zugeteilt, die wie zwischen Vikar Minkenberg und dem Bersenbrücker Pastor Strieker in einem Contract festgelegt worden waren, der halbjäh­rig kündbar gewesen ist. Vikar Minkenberg wurde vom Pfarrer Strieker vierteljährlich bezahlt und durfte bei ihm im Hause mietfrei wohnen. Sie wechselten sich in den Aufgaben wie zum Beispiel bei heili­gen Messen ab. Bei Krankheitsfällen vertraten sie sich gegenseitig auf freundschaftlicher Basis.      Dieser Contract wurde im September 1869 angefertigt und unterschrieben. Er zeigt, dass die Pfarrer der Gemeinde eindeutige Aufgabenfelder zu erledi­ gen hatten. Möglicherweise gerade so, wie es Vikar Minkenberg liebte, und vielleicht war es diese Macht des Priesters, die Minkenberg in den fol­ genden Jahren nutzten konnte, um gegen die Ungerechtigkeiten im Leben ankämpfen zu können, für die Men­ schen und für sich selbst.

Während des Kulturkampfes 1881 bis 1890 war er zusätzlich als Pfarradministrator nach dem Tod des Pfarrers Strieker tätig. Es war eine schwierige Zeit, da der Staat die Kirche in ihrer Arbeit durch viele Gesetze behinderte, um die Macht der Kirche einzudämmen. Johann Minkenberg kämpfte gegen diese Widrigkeiten des Kultur­ kampfes an, in dem er u.a. die Kirche in Bersenbrück renovieren und ver­ schönern wollte.

Aus diesen Zusammenhang heraus lässt sich sagen, dass Vikar Minkenberg auch in dieser angespann­ ten Zeit versucht hatte, den Mut nicht zu verlieren und sich für seine Pläne z.B. die Kirchenrenovierung einzu­setzen, um den widrigen Lebensum­ständen zu trotzen und das Leben mit schönen Sachen zu erfüllen.

Dass ihm dies zudem gelungen ist, ist erkennbar an den vielen Dingen, die er durchführen konnte. Dazu zählen zum Beispiel die Renovierung des Hochaltars, der Figuren, des Seitenaltars, der Kanzel, der Beichtstühle, des Chorstuhls und der Fenster, das Streichen der Kirche, die Vergoldung der Kronleuchter, die Runderneuerung der Kirchhofmauer usw. Darüber hinaus ist bekannt, dass Pfarrer Minkenberg auch viel aus „eigener Tasche“ dazu­ gegeben hat, um die Kirche würdig zu verschönern. Diesbezüglich ist zu bemerken, dass er offenbar über  ge­ wisse Geldbeträge verfügte. Trotz aller Beeinträchtigungen hat ihn die Bevölkerung immer in seinem Tun und Handeln unterstützt.

Doch sei auch auffällig gewesen, dass im Umgang mit der Kirchengemeinde Minkenbergs Antworten auf Anfragen wie zum Beispiel einer Messe wort­ karg und komprimiert gewesen seien, sodass sein Verhalten gegenüber anderen Menschen eher ablehnend er­ schien.

Obwohl Pfarrer Minkenberg in be­stimmten Angelegenheiten einen ver­schlossenen Charakter aufzeigte, setz­te er sich dennoch für das Gemein­wohl seiner Kirchengemeinde ein.

Er war sowohl an der 1883 erfolgten Gründung des katholischen Gesel­ lenvereins in Bersenbrück und als auch an der 1905 gegründeten katholi­ schen Frauengemeinschaft in Voltlage beteiligt. Wenn auch Pfarrer Minkenberg zuerst dem katholischen Gesellenverein in Bersenbrück miss­ trauisch betrachtete, verständlicher­ weise vor dem Hintergrund des Kul­ turkampfes und dessen Konsequenzen, da Neugründungen zu dieser Zeit von Vereinigungen aus politischer Sicht kritisch gesehen wurden und Verge­hen gegen Verbote strafrechtlich verfolgt wurden, stimmte er diesem bald trotz alledem zu und wurde zum ersten Präses des katholischen  Gesellenver­eins gewählt.

 

Wie  hat  sich  Pfarrer  Minkenberg gegenüber den Kindern verhalten?

Ferner wird Minkenberg durch Erzählungen in Bersenbrück  als „sehr streng“  beim  Umgang  mit  Kindern beschrieben, da die Kinder offensichtlich vor ihm Angst  hatten  und  bei seiner Anwesenheit davonliefen. Das Gegenteil des Verhaltens  der Kinder war bei Pastor Strieker in Bersenbrück zu beobachten, zu ihm seien die Kinder gern gekommen. Daraus lässt sich ergründen, dass für ihn Ordnung und . Gehorsamkeit bedeutend gewesen sein müssen.  Jedoch  kann  diese  Strenge auch Ausdruck von Liebe zu den Kin­ dern gewesen sein, wenn er ihnen von Anfang beibrachte, erwachsenen Per­sonen mit Respekt zu begegnen.

 

Schlussbetrachtung:

Abschließend kann man sagen, dass das Persönlichkeitsbild von Pfarrer Johann Minkenberg einen engagierten, entschlossenen, aber auch zielstrebi­gen Menschen zeigt, der seine Grundwerte als Anlass zum Handeln nahm. Auch hat er sich nicht während des Kulturkampfes abhalten lassen, weiter seine Ziele zu verfolgen, immer mit der Absicht, die Welt ein kleines Stück besser machen zu können.

 

 

 

 

 

 

 

 

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