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16. “Bersenbrücker Krippchen”

 16. “Bersenbrücker Krippchen”
Anfang 15. Jahrhundert Baumberger Sandstein,

ursprünglich Altaraufsatz aus dem Kreis von Meister Francke
mit Szenen Prophet Isaias, Geburt, Hirten, Engelschor, Drei König

 

Weihnachtskrippchen


Das  gotische  Relief  mit  der Darstellung der Weihnachtsgeschichte, auch „Weihnachtskrippchen“ genannt, nimmt unter den Kunstwerken in der Kirche eine besondere Stellung ein.

Es folgt einem Typus, der auf Meister Francke  zurückgeht, einen Dominikanermönch, der zuletzt in Hamburg lebte und arbeitete.

Er war wohl der erste, der in seinen Bildern in der Weihnachtsszene Maria kniend vor dem Kind darstellte. Die Gottesmutter wurde bis zu dieser Zeit im Kindbett liegend dargestellt.    –

Die Heilige Brigitta von Schweden, Gründerin des Brigittenordens, hatte in einer ihrer Visionen das Bild der Geschehnisse in Bethlehem mit der knienden Madonna gesehen; darauf hatte sich der Künstler bezogen.

Der Bildhauer des Weihnachtskrippchens orientierte sich an Meister Francke, als er für die Dominikanerkirche in Osnabrück das Altarretabel (Altaraufsatz ) aus Baumberger Sandstein schuf. Dieser Altar  befindet sich heute in der Kirche von Schledehausen und wird auf das Jahr 1410 datiert ..

Das Bersenbrücker Weihnachtskrippchen ist aus demselben Material entstanden, jedoch wesentlich kleiner. Es ist ebenfalls ein Altarretabel aus Baumberger Sandstein mit einem Eichenholzrahmen. Die Flügel eines Altares wurden häufig beweglich gestaltet; so sind auch hier die Ansätze für die Scharniere noch erkennbar. Datiert wird das Bersenbrücker Werk auf 1420.

Das Bildnis zeigt im oberen Teil unter einem gotischen Baldachin vier Engel; die beiden äußeren spielen eine Laute, die inneren halten ein Spruchband mit dem Text „Gloria in excelsis deo“.Der Prophet Jesaja, zu sehen auf dem linken mittleren Teil, war es, der die Geburt Christi ankündigte. Ochs und Esel, die die Juden- und Heidenwelt, die zur Erlösung aufgeru fen sind , symbolisieren, dürfen natürlich in keiner Krippe fehlen. Wie die Heilige Brigitta es gesehen hat, ist die Geburtsszene ohne Josef dargestellt. Engel halten ein Tuch, um Mutter und Kind zu schützen. Ein weiterer hält an ein Feuer eine Windel,um sie für das Jesuskind anzuwärmen oder sie zu trocknen.

Die Szene mit der Anbetung der Könige ist prunkvoll ausgestaltet. M aria mit einer Krone auf dem Haupt zeigt das Jesuskind. Josef im Hintergrund hält einen Topf in den Händen. Die Könige, die die damals bekannten Erdteile vertreten, sind mit ihren Gaben da. Einer kniet und überreicht dem Kind einen Kelch, nach dem es greift. Die beiden anderen stehen wartend , der eine weist mit der rechten Hand zum Himmel. Zwei Diener und prächtige Pferde bilden den Hintergrund . Die Könige sind vornehm nach Art burgundischer Adeliger gekleidet. Burgund war seinerzeit das Vorbild höfischen Lebens.

In der Literatur wird die Ansicht vertreten, dass dieses Altarbildnis für die Klosterkirche in Bersenbrück angefertigt ist. Da es relativ klein ist, könnte es Bestandteil eines Nebenaltars gewesen sein.

Zur Ausstellung in der Hamburger Kunsthalle 1969 „Meister Francke und die Kunst um 1400″ war auch das Weihnachtskrippchen ausgeliehen. Leider kam es beschädigt wieder: Der Kopf des Jesuskindes in der Szene mit den Heiligen Drei Königen war abgebrochen. Dieser wurde bei den Restaurierungen 1989 ersetzt.

Bei den im Juni 2006 vorgenommenen Untersuchungen der Bemalung stellte sich heraus, dass sich unter der derzeitigen Farbfassung noch Reste der ursprünglichen befinden, die von der jetzigen zum Teil erheblich abweicht. Es handelt sich um einen zarten Farbauftrag ohne Grundierung; dadurch werden die sehr feinen Strukturen der Bildhauerarbeit sichtbar. Nur die vergoldeten Teile weisen, soweit bisher erkennbar, einen Kreideuntergrund auf. Zum Zeitpunkt des Abschlusses dieser Beschreibung waren noch keine Entscheidungen über Art und Umfang von Restaurierungsarbeiten getroffen.

Hinweise über benutzte Texte und Autorenrechte
siehe Quellenverzeichnis!!!
Literatur:
Hans Witte: Das ehemalige Zisterzienserinnenkloster Bersenbrück, München 1992
Otto zu Hoene: Kloster Bersenbrück, 2 Bände. Osnabrück 1977/78
© 2014 Kath. Pfarramt St. Vincentius – Stiftshof 3 – 49593 Bersenbrück – Telefon: 0 54 39/93029
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